Mittwoch, 19. August 2009
Vorankündigung, 3.Aufenthalt in St.Antönien
Helga Peskoller
Samstag, 25. Sept. 09, 19.30 Uhr im Schulhaus
7246 St.Antönien GR
Die Frage, was Mensch in Extremlagen überdauern lässt, wird am Beispiel von Reinhold Messners Bergbuch überlebt gestellt und anhand von ausgewählten Textfragmenten, Bildern und Tonbandaufzeichnungen untersucht und beantwortet.
Die Antworten auf die Frage, wie überleben geht, verdichten sich dann Schritt für Schritt zu einer kleinen Theorie des Überlebens und sie beinhaltet Elemente wie die Flucht nach vorn, den Übermut, das Zuwarten, den richtigen Moment zur Handlung nutzen, das Wiedererinnern, Weitermachen und Erzählen.
Erzählen hat sich als wesentliche Bedingung für ein wiederholtes Überleben herausgestellt und diese Erkenntnis trägt dazu bei, die kluge Formel Blaise Pascals (1623-1662) zu revidieren, sie lautet: „Zwei Dinge – Instinkt und Erfahrung – unterrichten den Menschen über seine ganze Natur“.
2. Aufenthalt in St.Antönien
Vom 13. bis 19. Juli 2009 war Helga Peskoller zum zweiten Mal in St. Antönien. Der Ort, von wo aus die zweite Begehung stattgefunden hat, war eine Alm im Partnun. Die Alm war Stützpunkt und Arbeitsstätte. Dort entstand z.B. ein kurzes Video mit zwei Menschen, die bei Nebel und Regen im O-Ton wandern, das Bild eines Kalbs, das in der Dämmerung auf- und am Morgen auf Nimmerwiedersehen untergetaucht ist oder zwei kleine Bilder mit Blick aus der Unterkunft und unterlegt mit Leonard Cohen und dem knappen Zitat eines Einheimischen. Und jenseits der Alm gab es noch weitere Kühe, aber auch Gespräche, Beobachtungen und Geschichten mit fotografischen Notizen von Florian Riccabona -eine kleine Auswahl davon zeigt der folgende Eintrag:
Auf einer „Alpbritsche“ in einer Alphütte in Partnun war folgendes in das Brettlein einge-schnitzt: Viehabe in Partnun anno 1818: 181 Kühe, 130 Galtji, 20 Ross, 220 Geiss und 330 Schaf. Diese Tiere beaufsichtigten sieben Hirten, es werden auch Hirtenknaben dabei gewesen sein. Jeder Bauer besorgte seine Kühe und Ziegen selbst und es wurden Käse und Butter hergestellt
im Vorraum 16.07.2009
Ein Bündner Schriftsteller, der seit über zwanzig Jahren in Kassel lebt, kehrt nach 18 Jahren Kletterabstinenz für einen Tag an jenen Ort zurück, wo er seine ersten schweren Routen gemacht hat, um mit seinem jüngsten Sohn über eine der Kanten zu klettern. Es ist der 16.7.09 Nachmittag, auf die Frage nach der Ästhetik des Orts sagt er:
„Es ist eine wahnsinnig starke Gegend. Fünfhundert Meter unten ist der Partnunsee und hier sind Felsen, die von oben herunter gekommen sind. Die sind fast bis zu acht, neun Meter hoch und zwanzig Meter breit und dann hat es, wenn man von oben herunter schaut, das hat man von unten gar nicht gesehen, einen Kranz, einen Kranz wie von Obelisken, eine Felswand, die so dünn geworden ist wie ein Gebiss. Das ist alles auf einer Reihe, ich weiß auch nicht, was das ist, das ist eine Formation, du meinst, das ist von einem Architekten gemacht. Oder es ist ein Megalith. Einfach Felsen also, versetzt und ziemlich erodiert. Riesige, riesige Felsblöcke. Und ganz oben, da sind zwei Felsen, die sind vom Haupt der Schijen weg gebrochen. Sie sind fast losgelöst und einer ist bis ins Innerste durchbrochen, da steht aber alles und du meinst, das könnte jeden Moment zusammen krachen. Aber nichts, das ist eine Stille da oben (lacht). Aus der Wand ist aber immer wieder Steinschlag gekommen, in der Wand, da ist was los. Und dann diese hunderte, ja tausende Steine, die da herum liegen und dazwischen ein großer Blumengar-ten mit Alpenrosen. Die ganzen Bergblumen da, die es hat, das ist ja umwerfend. Und es riecht wie in einem Graten. Dabei stehst du in einem merkwürdi-gen Wickelwackel und denkst, wenn das jetzt da oben losgeht, mit den Steinen, kannst du das nicht abwehren. Und trotzdem, du stehst gleichzeitig auch in diesem Blumengarten, das ist unglaublich stark. Ganze Teile, die aus der Wand fehlen und dann die Sonne, die all das noch viel plastischer erscheinen lässt...“Dieser besonders schlanke Schijenzahn überragt viele anderen
in einer zyklopischen Felslandschaft 70 bis 90 m hohe, ernst-
hafte Klettereien führen auf seine Spitze.
(aus: SAC Clubführer Bündner Alpen, Band 7: Rätikon 1989, S. 14)
Montag, 20. Juli 2009
Helga Peskoller, Biwak der Vortrag von 18.juli 2009
Zustände des Untätigseins
Das Folgende hat drei Teile und wird von Geräuschen begleitet, von denen eines nach Besi Sahar gehört, einem Dorf am südöstlichen Fuße der Annapurna in Nepal,[1] das andere entstammt dem Gehirn von Martina Tscherni,[2] deren Elektroenzephalogramm von Haimo Wisser zu einem Gehirnsurren vertont und mit einem Herzschlag ergänzt wurde; für diesen Vortrag gesellten sich Wind und Schritte hinzu.[3] Vorweg: Biwak meint das Übernachten im Freien[4] und Zustände des Untätigseins versprechen das Entstehen einer Erfahrung in Ruhe.[5]
1. Pascals leerer Raum und das Glück im Zimmer
In einer Reisebeschreibung des bayrischen Hofpredigers Jakob Rebus über den Apennin taucht 1557 zum ersten Mal das Wort Bergsteigen auf. Was es in diesem groben, unmilden Gebirge, über das der Pilger steigen muss, „für ein Schnaufen und Rasten allda gegeben hat, kann jeder erwägen, der da wisse, was es um Bergsteigen für eine sanfte Kurzweil sei“, schreibt er.[6] Bergsteigen hat also nichts zu tun mit Langweile. Das Hin und Her im Auf und Ab des Gebirges übe aber nicht nur den Leib auf mannigfaltige Weise, es wirke, fügt ein halbes Jahrhundert später der Haller Stadtarzt Hippolyt Guarinoni hinzu, auch auf das Gemüt ein und zwar so gründlich, dass dieses am Ende gar nicht mehr weiß, „zu wellichem Bürg Lust es sich wenden soll.“ Während man hierzulande das Bergsteigen auch mit der Unentschlossenheit aus lauter Lust in Verbindung bringt, arbeitet man andernorts an anderen Erfindungen, 1644 ist es so weit, Evangelista Torricelli erfindet das Barometer und mit ihm ordnet sich das Wissen um die Höhe neu. Seine zahllosen Experimente mit dem Luftdruck und über den leeren Raum haben in Rouen wiederum zwei, Vater und Sohn auf den Plan gerufen, die seit fünf Jahren diese Versuche mit großem Eifer mitverfolgen und nachvollziehen. Der Sohn, es handelt sich um den damals einundzwanzigjährigen Blaise Pascal, wird Jahre später auf diese Experimente erneut zurück greifen, um sie in einen ganz anderen Zusammenhang zu stellen und den leeren Raum der Physik, dieses Nichts im Bereich der räumlichen Ausdehnung zum Bild für unsere irdische Existenz nehmen.[7] Ohne an dieser oder in der Entwicklung anderer Vorstellungen vom Vakuum irre zu gehen, [8] soll das Bild der Leere allein zur Formung einer Denkfigur dienen, die angesichts realer Höhenerfahrung ins Wanken gerät.
- Denkfigur, Fragen und These
Ungeachtet der Schwierigkeiten, die Blaise Pascals umfangreicher Haufen ungeordneter, teilweise schwer lesbarer Texte bereitet und denen bereitet hat, die sein Manuskript der Pensées sorgfältig erhalten wollten,[9] richtet sich meine Aufmerksamkeit nur auf eines dieser Bruchstücke, nämlich auf das lange Fragment 136. Es handelt von der Zerstreuung und fängt mit einer bei Montaigne entnommenen Betrachtung über „den Grund für all unser Unglück“ an, der darin bestehen soll, „nicht ruhig in einem Zimmer bleiben“ zu können. Pascal geht einen Schritt weiter, wenn er mit Augustinus glaubt, die Ursache für die betäubende Suche nach dem Vergnügen in der Lage des Menschen entdecken zu können. Sie fasst er mit den Begriffen Unbeständigkeit, Langeweile und Ruhelosigkeit zusammen,[10] um dann eine Anthropologie des Elends und der Zerstreuung zu entwickeln, in der die Eitelkeit eine wesentliche Rolle spielt.
Diese Anthropologie der Zerstreuung hebt an bei der Zeit, genauer, in einem ihrer Rätsel, wodurch der Mensch selbst sich zu einem Rätsel wird. Denn es ist nicht die Zeit, die existiert, sondern es sind die Zeiten, die nicht existieren, mit denen sich der Mensch beschäftigt und nur beschäftigen kann, d.h. er trauert der Vergangenheit nach oder wünscht die Zukunft herbei, aber die Gegenwart entzieht sich ihm,[11] nicht zuletzt deshalb, weil sie meistens weh tut, meint Pascal.[12] Anstelle der Gegenwart tritt nun die Suche nach der Zerstreuung. Sie scheint das einzige Mittel gegen die Langeweile zu sein, die als die Folge von jener Ruhe eintritt, die man dann erreicht, wenn der Kampf geführt und alle Hindernisse überwunden sind. Hat man also das Gefecht beendet und ist man dort angelangt, wofür man fest geglaubt hat, diese Hürden alle auf sich nehmen zu müssen, geht es von Neuem los, weil die zutiefst ersehnte und schwer verdiente Ruhe währt nicht lange, sie schlägt um im Nu und man stürzt sich erneut ins Getümmel, dieses Mal aus Langeweile.
Die Struktur dieser Dynamik erklärt Pascal, dessen Menschenbild weniger mechanistisch ist als es den Erkenntnissen moderner Psychologie entspricht, durch zwei geheime Triebe, die aufgrund ihrer Gegenstrebigkeit große Verwirrung und mithin Unglück im Menschen stiften. Der eine Trieb erwächst aus dem Gefühl des beständigen Elends und bewegt dazu, äußerliche Zerstreuung und Beschäftigung zu suchen, der andere Trieb ist von der Größe unserer Natur übrig geblieben und lässt die Menschen erkennen, dass das Glück nur in der Ruhe und nicht im Tumult liegt. In dieses Hin und Her verstrickt verrinnt die Zeit, eine Zeit, die man entweder damit füllt, an das Elend zu denken, das man erleidet, oder an jenes, das einen bedroht. Und selbst wenn es gelänge, sich dagegen ausreichend zu schützen, wäre das Problem nicht aus der Welt geschafft. Es gibt dann immer noch die Langeweile, die eingewurzelt in den Grund des Herzens daraus empor dringt und den Geist vergiftet.[13] Die Langweile gehört insofern und so sehr zum Menschen, wie man ihn sich innerlich leer vorzustellen vermag, so leer, dass er zig Gründe zur Langeweile besitzt und weshalb die geringste Kleinigkeit, der winzigste Anstoß von außen genügt, um ihn zu zerstreuen.
Das klingt in der Tat ausweglos, entmutigend. Doch Pascal überrascht mit einer Umkehrung: Wenn die Suche nach der Zerstreuung das einzige Mittel sei, der Langweile zu entgehen, muss man aber noch eines wissen, man muss wissen, dass es bei den unzähligen Arten der Zerstreuung einzig auf die Jagd, nicht auf die Beute ankomme, d.h. man soll sich nicht verführen lassen von etwas, das lediglich ein Vorwand und nicht der wirkliche Grund für das Vergnügen sei.
Ein zweifellos ernst zu nehmender Gedanke, denn wenn es die Jagd und nicht die Beute ist, die den Menschen die Zerstreuung verschafft, würden jene, die der Zerstreuung nichts abgewinnen können, sie verurteilen und zur Ruhe raten die menschliche Natur geradewegs verkennen. Jemanden Ruhe anzuraten, würde bedeuten, ihm zu sagen, er solle glücklich leben. Glücklich zu leben aber hieße „Eine ganz und gar glückliche Lage zu haben, über die er in aller Muße nachdenken kann, ohne einen Anlass zum Kummer dabei zu finden. (...) Daher vermeiden die Menschen, die von Natur aus ihre Lage wahrnehmen, nichts so sehr wie die Ruhe; sie lassen nichts unerprobt, um die Aufregung zu suchen,“ schreibt Pascal. [14] Und darin besteht das einzige Gut der Menschen, von den Gedanken an ihre Lage abgelenkt zu werden, das sei aber auch schon alles, was die Menschen haben erfinden können, um sich glücklich zu machen.[15]
Angenommen, Blaise Pascal hat recht und ohne Zerstreuung gibt es keine Freude, mit der Zerstreuung keine Traurigkeit und beides zusammen genommen bedeutet das Glück, was hieße das dann für einen Menschen, der keine Ablenkung sucht, findet oder finden kann? Hat man sich so jemanden zwangsweise unglücklich vorzustellen? Und wenn dem nicht so ist, lässt sich beschreiben, warum? Lässt sich angeben, womit dieser nicht unglückliche Zustand zusammenhängt, einher geht und was ihn bedingt?
Nun, ich behaupte dieses andere Glück stellt sich gerade dann ein, wenn man nicht im Zimmer sitzt, sondern es verlässt und aufbricht zu einem für Menschen annähernd leeren Raum. Daran gebunden wäre allerdings die Notwendigkeit, von der Vorstellung abzulassen, dass Ruhe der Unruhe, dem Tätigsein, der Ablenkung oder Zerstreuung gegenüber liegt wie ein Ufer dem anderen, zugunsten eines Bildes, das die Ruhe inmitten der Unruhe wahrnimmt, je unruhiger, aktiver, anstrengender, mühevoller, schwerer oder turbulenter es wird, desto mehr.
Wo sind nun solche Orte, an denen man Menschen antrifft, die sich freiwillig in eine Lage gebracht haben, die keine Ablenkung gestattet, was aber weder Enttäuschung noch Verzweiflung hervorruft, sondern eine stille, nüchterne Ruhe voll des Glücks?
Diese Orte gibt es, die Menschen auch, nicht haufenweise, aber genug davon, man denke nur an die Reisebeschreibungen, speziell an die Literatur über die Berge.[16] Dieses Mal wage ich etwas anderes zu tun und gegen die Gewohnheit und Verführung des Extremen mich an einen beinahe Normalfall zu wenden. Im Mittelpunkt steht ein Übergang. Er wurde Jahrhunderte lang von Pilgern benutzt und heute ist er so viel wie in Vergessenheit geraten. Es handelt sich um den Namun Bhanjyang. Dieser Pass liegt abgeschieden auf 5600 Meter Höhe und zu Wort wird nicht Edward Whymper, Reinhold Messner, Jerzy Kukuczka oder Wanda Rutkiewicz, kommen, sondern ich selber, nur. Erzählt wird versuchsweise in drei Teilen von dem, was zur Muße gehört, mit ihr aber nicht selbstverständlich verbunden wird.
Es ist Donnerstag, der 16. Oktober 2004 kurz vor Mitternacht. Allmählich wird es still, dunkel ist es seit Stunden. Ausgestreckt auf einem Boden, der gefroren ist, uneben und leicht nach unten hängt, rutsche ich bei jeder Bewegung ein bisschen Richtung Zeltausgang. Ich ziehe den Rucksack quer vor den Ausgang, um das Abrutschen zu stoppen und lasse mich dann, im Schlafsack rücklings auf die Isoliermatte sinken. Endlich nichts mehr tun, nur noch ausruhen. An Einschlafen ist nicht zu denken, weniger wegen der Müdigkeit, als vielmehr wegen der Eindrücke, die zu ordnen es bisher keine Zeit gab.
- Vereinfachung: Energie sparen durch Dösen
Schwarz. Durchbrochen von kleinen Lichtkegeln, die in unregelmäßigen Abständen nach unten wandern und am Ende einer langen, leicht abfallenden Querung nach rechts auf der Stelle treten und dabei ein Wirrwarr von Lichtzeichen erzeugen.
So mag das Ganze von außen ausgesehen haben, anderes bewahrt das Körpergedächtnis. Hinter uns liegt der Pass, ringsum rosa, türkis bis mit dem Dunkelviolett zuletzt auf den Achttausendern die Nacht da ist und mit ihr der Wind. Beides, Wind und Nacht hilft. Nach 14 Stunden Aufstieg bei Hitze, Kälte und Nebel gibt die Dunkelheit Schutz und der Wind Widerstand. Wenn nur, was in die engen Lichtkegel der Stirnlampe fällt, zu sehen ist und das selbst nur für kurze Zeit, erholt sich das Auge und mit ihm das Herz. Kein Panorama überwältigt mehr, die Übersicht geht verloren und mit ihr das Messen. Man überlässt sich der Nacht, dem Wind und dem Gelände und plötzlich setzt eine andere Art von Sicherheit ein. Man vertraut sich nur noch dem Spüren an. Dass der Wind nicht seitlich, von hinten, sondern von vorne kommt und mithin zur Gegenkraft wird, nimmt man erst jetzt, erleichtert wahr. Zu müde vom vielen Gehen wirkt die Schwerkraft doppelt, d.h. man steigt nicht mehr, sondern fällt oder sackt eher nach unten und der Wind hält dagegen, sanft vom Stolpern zurück, richtet einen auf und mischt unter die Schwere eine Spur von Leichtigkeit. Mit ihr kehrt diese kindliche Freude, sich vom Untergrund tragen zu lassen, zurück und man entdeckt den Schnee, frisch, hüfthoch über der Blockhalde, nicht mehr nur als Hindernis und Gefahrenquelle, sondern als etwas, das weich ist und nachgibt, aber auch hält und trägt, dort, wo sich der Schnee bereits gesetzt und verfestigt hat. Jene Stellen ausfindig zu machen und dann auch noch von denen zu unterscheiden, die nicht nur verschneit, sondern vereist oder gefroren sind, ist eine Aufgabe, die sogar Lust erzeugt, weil sie mit den Füßen geschieht. Die Füße sind wie Fühler und ertasten trotz Schuhsohle und Steigeisen, noch bevor man den Boden berührt, woraus dieser besteht und zwar je länger, desto präziser. Manchmal aber auch nicht und dann gerät man für den Augenblick aus dem Gleichgewicht oder sogar ins Rutschen, um dann, mit einer einzigen, heftigen Bewegung der Arme sich aufzufangen und wieder still zu stehen.
Dass die Flanke etwa 350 Neigung hat, gute 400 Meter nach unten zieht und dann ins Irgendwo abbricht, das war vor dem Eindunkeln gerade noch einzusehen. Das Ergebnis der raschen Vermessung hat sich fest in den Körper eingeprägt. Nun weiß er, wie viel Spielraum er hat und wo dieser aufhört. Aber weshalb kann er das wirklich wissen? Und woher weiß er, dass sogar in der kleinsten Verausgabung an Energie etwas davon noch zu gewinnen ist? Wie ist es möglich, eine derart sichere Kenntnis darüber zu haben, dass bei jeder Bewegung etwas anderes sich zur gleichen Zeit zurück nimmt, entspannt und daher neuerlich zu Kräften kommt? Wem sind diese Kräfte, wem das Wissen um sie zuzurechnen? Wer also führt die Regie, ist es das Können, der Körper, die Seele, oder doch der Verstand?
Auf diese schwierigen Fragen riskiere ich eine simple Antwort: Energieersparnis entsteht durch Vereinfachung und mit ihr einher geht das Dösen. Dösen entspricht der Natur am meisten, weil sie, das wagt der Publizist Michael Miersch zu behaupten, von Natur aus faul ist.[17] Sie hält sich so lange wie möglich in einem Schlummerzustand, was zumindest und gegen den Darwinschen struggle for life für die Tiere gilt. So vergammelt beispielsweise der Löwe 22 Stunden des Tages wohlig im Schatten eines Baumes und schickt den Rest des Rudels vor zum Jagen; die Eule verbringt den ganzen lieben Tag mit Schläfrigsein und gilt deshalb als weise; der Steinadler lässt sich gemütlich von der Thermik tragen und schlägt nur zur Not selbst mit den Flügeln. Oder das Faultier, dessen Bewegungsdrang minimal wie die Fellpflege ist, während es dem menschlichen Antlitz so sehr wie kein anderes Tier gleicht. Die Aufzählung könnte man lange fortsetzen[18] mit dem Ergebnis, dass Tiere Meister darin sind, sich das Leben so einfach wie möglich zu machen. Sie nutzen fremde Energien für ihre Zwecke, lassen sich tragen, treiben, halten, schaukeln und mitziehen, vergraben, verkriechen, rasten und ruhen sich aus, Tiere überdauern. Sie überdauern aber nicht, weil sie sich unbändig bewegen, sondern weil sie das selten und so sparsam wie möglich tun.[19] Warum sollten es die Menschen ganz anders machen, insbesondere dann, wenn sie sich in der Natur aufhalten? Weshalb sollten sie nicht auch Dösen, wobei unter Dösen nichts Derbes, Dumpfes oder Stumpfsinniges zu verstehen ist, eher etwas, das vorzugsweise unbemerkt, lautlos still, mäßig langsam und dort sich einstellt, wo die Turbulenz und Gefahr wegen der Ermüdung zunimmt. Dösen zum Selbsterhalt und Dösen als eine andere Bezeichnung dafür, wie die Wahrnehmung arbeitet, arbeiten im Sinne von tierischer Anstrengung und nicht im Sinne menschlicher Mühe, Plackerei und Schwere, die im Schweiße des Angesichts einen unter die Schneedecke zieht. Beim Dösen bleibt die Aufmerksamkeit eingebettet, etwas unscharf, angedaut, aufgeweicht. Sie hat sich auf ein mittleres Niveau der Reizbarkeit eingependelt, so dass sie ohne jede Aufregung gerade noch jenen Spuren zu folgen vermag, die sie dorthin führt, wo das Spektakel angehalten, Verausgabungen abgebremst und jedes vorzeitige Aufbrauchen der Kräfte angezeigt wird, auch der Aufbrauch ihrer selbst. Um sich selbst zu erhalten, gerät die Wahrnehmung in einen merkwürdig geschonten Zustand des Dösens und achtet so fortdauernd die Gefahr. Entgegen der Annahme liegt sie nicht bis zum Zerreißen gespannt auf der Lauer, sondern wandert, gleitet, lässt sich treiben, selbst und besonders dort, wo es ernst wird. Konzentration, die aber nicht die Form einer Bündelung annehmen muss, sondern besser noch die von Streugut, wegen der Nacht und der Steinbrocken unter den Füßen und weil im Abwärtsgehen auch noch das Plätzchen im Freien gefunden werden muss, wo ein Biwak einzurichten wäre, vielleicht dort drüben, wo es den Anschein macht als rage ein Fels meterhoch wie ein Schild aus dem Schnee.
- Ausgleich: Vom Geschmack des Ausgegangenen
Als wir heute Morgen vor die enge, rauchige Lagerstätte traten, war es gegen 4 Uhr und es schneite immer noch. Vor uns lag der Pass, fünf Tage zurück das letzte Dorf. Die Entscheidung fiel rasch, wir stapften, ohne zu reden, los, die 1700 Höhenmeter zu überwinden und hinein in die Nebeldecke. Gegen Mittag hörte es zu schneien auf, die Sonne kam durch, es blendete, glitzerte, wir machten zwei Mal Halt, tranken Schwarztee und nahmen die Landschaft jenseits der Landschaft auf. Das bedeutet, dass man, was ringsum sich befindet, sieht, aber nicht nur sieht, es ist zu hören, riechen und man schmeckt es auch. Vor allem schmeckt man all die Schritte, die gemacht wurden. Es ist, als hätte sich in ihnen etwas ausgekostet und dabei abgenutzt und aufgebraucht, je mehr sie werden, desto deutlicher stellt sich dieses Wissen ein. Aber was ist es, das sich auf die Wege, Hänge und Rücken streut, und ausgegangen zurück bleibt vor Ort? Aus großer Ferne betrachtet, gleicht der Abdruck der Schritte im Schnee einfachen Schriftzeichen, dünn gesät, als hätte man sie verloren oder dort liegen lassen. Überreste einer Sehnsucht, die sich in Acht davor nimmt, mit der Wirklichkeit zu sehr zu verkehren und deshalb ins Freie flieht, hinein in diesen weißen, menschenleeren Raum. Während man diesen Raum durchschreitet, verliert die Sehnsucht an Dichte und ist schon nicht mehr ganz da. An ihre Stelle tritt etwas anderes. Früh morgens, als wir aufgebrochen waren, unten von der Steinhütte aus am See, hatte unser Steigen etwas Eindringliches, jetzt aber, nach Stunden des Gehens und Steigens, ist die Eindringlichkeit einer Zurückhaltung gewichen, das Beißende des Müssens und die Schärfe des Wollens einer Milde des Dürfens, die man in China, das wenige Bergkämme weiter nördlich liegt, vermutlich mit dem Geschmack des Faden in Verbindung bringen würde. Fadheit als das Prinzip des Ausgleichs, der Übergang zwischen zwei Polen, ein Zeichen, das kaum noch eines ist, Rückkehr aus überflüssigen Bedeutungen, gleichsam eine Welt, in die wir eintreten, wenn wir weit genug gegangen sind, vergleichbar mit den letzten Farben des Jahres, einer Olive, die lange gekaut oder mit einem Berg, der tief genug empfunden wurde. Ist das der Fall, wird das Fade zum Tor, welches dazu verleitet, über uns hinaus zu gehen. Es öffnet unsere Subjektivität für den Gemeinsinn aller Dinge, ist zugleich ihr Muster und trägt so bei zur Ordnung der Welt.[20]
- Der Moment: Stätte, Beweggrund und Gelegenheit
Die letzten Meter musste man zum Pass hinunter steigen, das Barometer zeigte 5580 Meter an. Leichter Nebel zog auf, schemenhaft standen einzelne Zacken ab vom Grat, der nach Süden abfällt und es war nicht auszumachen, ob diese Zacken durch Erosion entstanden sind, oder von Pilgern errichtet wurden. Jedenfalls hat man Gebetsfahnen um sie geschlungen, davon war ein Hauch von Gewebe übrig geblieben. Ich habe mich beeilt, saß nun dort oben auf dem Grat, eine viertel Stunde für mich allein und schob eine Rippe Zartbitterschokolade in den Schnee, für die Götter, das kannte ich aus den Berichten der Achttausendermenschen. Es gab kaum etwas zu sehen, nichts zu hören, so unendlich still war es. Für den Moment fühlte ich mich aus der großen Faltung der Zeit heraus- und in die Gegenwart,[21] in das à propos der Zeit treten, wie Montaigne am Ende seiner Essais schreibt, „Wenn ich tanze, tanze ich – wenn ich schlafe, schlafe ich.“
Während dieser kleinen Verrückung bekam ich eine Ahnung davon, was es mit der Kraft zum Leben auf sich hat. Sie hatte, nichts weiter sonst war jetzt vorhanden und eingefügt in den Ablauf der Natur, etwas Wildes und war imstande, Klarheit zu verschaffen über den Beweggrund, all das ohne den Gedanken an einen anderen Ort zu tun. Dieser variierende Moment schreibt nichts vor, er leistet keine Überzeugung und keine Reflexion, hat weder Abstand noch Perspektive, kommentiert und moralisiert nicht und verlangt auch nicht, den gegenwärtigen Augenblick zu nutzen, weder für die Arbeit, noch für den Genuss und auch nicht für die Muße. [22]
3. Nachhall
Der Mensch sei nach Pascal deshalb unglücklich, weil er sich nur mit den Zeiten beschäftigen kann, die nicht existieren, daher müsste Glück ohne die Zerstreuung dort stattfinden, wo Zeit nicht mehr gedacht wird, sondern nur noch gelebt. Davon handelte dieser Moment am Namun Bhanjyang und Leben war gemäß dem Moment zu verstehen, nicht in der Zeit, sondern genau an diesem Übergang zwischen Zukunft und Vergangenheit. Die Ankunft in der konkreten Zeit wurde ergangen, sie hat sich lange, geschmacklich vorbereitet und sich erst dann eingestellt, als der Geschmack des Faden den der Schärfe, der die Anstrengung des Aufstiegs begleitet, auszugleichen vermochte. Das Ausgegangene war die Bedingung für die Ankunft in der Gegenwart und an den Verlust gebunden, die Zeit sich als eine Hülle vorzustellen.
Darauf hat mich nach der Rückkehr ins Zimmer die Lektüre François Julliens Über die „Zeit“ aufmerksam gemacht; draußen im Freien wurde der Verlust direkt, in der feinen, untrüglichen Wahrnehmung dessen wirksam, was die Härte aus der Spannung nimmt, vom Druck entlastet, beruhigt und durch Vereinfachen Kräfte spart; Dösen als menschlicher Grundzustand an einem der Enden des Animalischen.
Die Eindrücke von damals, die im Biwak flüchtig nur Gestalt annahmen, um übers Jahr irgendwie lautlos abzusinken, habe ich noch einmal aufgestört und wach gerufen und dabei die Entdeckung gemacht, dass Erfahrung ihrerseits der Ruhe bedarf, einer Ruhe inmitten des Aufruhrs, der Unruhe, so, als wäre sie selber wie ein Biwak beschaffen, ein Biwak zum Glück, notdürftig, vorübergehend, keine feste Ruhestatt, nur das Nadelöhr im Wechsel vom Raum in die konkrete Zeit.
Unterhalb dieser konkreten Beschreibungen hat sich Muße auch nicht als das Gegenüber der Arbeit, sprich von Aktivität, Anstrengung, Mühe, Schwere oder Plackerei herausgestellt, sondern als etwas, das subtiler verfährt und daher nicht davon zwangsweise entkoppelt werden muss,[23] was Folgen hat für die Utopie, die im Muße-Thema steckt. Die Utopie wird umgekehrt oder verfehlt, wie ich Emile M. Cioran sagen höre,[24] weil das Biwak nur ein Durchgang, radikal diesseitig war, ohne die Hoffnung oder den Entwurf einer besseren Welt mit den nur guten Menschen. In die Höhe, weder gut noch böse, steigen auch und vorzugsweise die anderen, die Enttäuschten, um den eigenen Verfall weniger los zu werden als ihn zu begreifen und damit anzufangen, sich zu vergessen, wodurch das Ganze simpel endet, denn alles vor, nach und am Namun Bhanjyang wäre auch, vielleicht sogar eher und besser noch geschehen, hätte man Blaise Pascal folgend das eigene Zimmer nie verlassen, aber in den Zimmern, die ich kenne, schneit es nicht.
[1] Die 8091 Meter hohe Annapurna bedeutet Fülle, Gabe und sie hat nicht nur einen, sondern drei Gipfel aus Schnee und Eis. Die ersten Menschen, die das Ende des Berges erreicht haben, waren am 3. Juni 1950 die beiden Franzosen Maurice Herzog und Louis Lachenal; am 24. Oktober 1984 gelang Norbert Joos und Erhard Loretan die Besteigung des Ostgrats und mithin die erste Überschreitung der Annapurna; ihre Umrundung in tieferen Lagen zählt zu den beliebtesten Trekkings in Nepal und benötigt dafür von Besi Sahar bis Beni etwa drei Wochen.
[2] Die 1963 geborene und heute in Wien lebende Tiroler Künstlerin, deren großformatige Zeichnungen u. a. in der Graphischen Sammlung der Albertina in Wien zu sehen sind, hat als Bestandteil einer Installation mit dem Titel Brain Box, die 1998 in Madrid und 1999 in der Galerie Goldener Engel in Hall i. Tirol gezeigt wurde, ihr mehrere Meter langes EEG vom 1998 verstorbenen Komponisten, Musiker und Wahltiroler Haimo Wisser, dessen umfangreicher musikalischer Nachlass dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Universität Innsbruck anvertraut wurde, mit Hilfe komplizierter Verfahren zuerst in Geräusche umwandeln und anschließend vertonen lassen.
[3] Diese Ergänzung hat Helmut Eberhöfer vorgenommen.
[4] Das Wort kommt vom Französischen bivouac und meint die Übernachtung außerhalb einer Hütte, meist auf Bergen. Diese Lager im Freien, die man auch aus dem Krieg kennt, werden auf einem möglichst windgeschützten, steinschlag- und lawinensicheren Platz errichtet, notfalls gräbt man ein Schneeloch. So ein Sitz- oder Liegeplatz ist natürlich nichts, wo man sich freiwillig länger aufhält, dennoch schafft dieser simple Ort auf Zeit eine besondere Zeit vor Ort (vgl. dazu Peskoller 19993, 239f)
[5] Damit wird der Vortrag Erfahrung, den ich im Rahmen der Jahrestagung der Kommission für Pädagogische Anthropologie Ende September 2005 in Erlangen gehalten habe, genau an der Stelle fortgesetzt, wo sich der Schnittpunkt der insgesamt 13 Passagen eines Denkmodells befindet, das den Versuch unternimmt, die Bedingungen für eine Erfahrung anschaulich darzustellen und in Folge eine Reihe von Verhältnissen ausfindig macht, die es im Detail auszuarbeiten gilt wie beispielsweise das Verhältnis von Bewegung und Empfindung, Wahrnehmung und Erinnerung, Abwägung und Entscheidung, Handlung und Berührung.
[6] Rebus zit. nach Schottenloher in Stolz 1928, 2. Teil, 46 (vgl. dazu Peskoller 19993, 17)
[7] Als Blaise Pascal die Ordnung und Bedeutung der Zahlenreihen in der Mathematik entdeckt hat, ging er davon aus, dass die Leere, das Nichts der Kreatur seinen Platz in einer der verschiedenen Ordnungen erhält, die dann die ganze menschliche Geschichte und die vom Menschen getroffenen Entscheidungen zu deuten erlauben. Pascals naturwissenschaftliche Arbeiten und sein metaphysisches und religiöses Denken ist untrennbar miteinander verbunden und diese große Einheit, dieser unlösbare Zusammenhang drückt sich in den Pensées aus und bereitet insbesondere dann Schwierigkeiten, wenn man die geistige Grundlagen derselben ermitteln möchte (vgl. Blaise Pascal, Einführung von J.-R. Armogathe 2004, 14)
[8] Andeuten möchte ich an dieser Stelle den Zusammenhang nur von Leere, Lücke, Glück, das vom g(e)lücke kommt und zugleich an den Zwischenraum erinnern, das Dazwischen und an die Bedeutung der Null, des Nichts und des Vakuums: Parmenides behauptet, dass das Nichts für eine Beschreibung der Welt unnötig ist, Empedokles zeigt durch Experimente mit der Klebshydra,, dass die Natur die Erzeugung eines horror vacui nicht zulässt, Demokrit sieht alle Materie aus unteilbaren Atomen aufgebaut, die sich im Vakuum bewegen und Newton formuliert in seinem Hauptwerk Principia Mathematica Philosophiae Naturalis die klassische Vorstellung vom absoluten Raum und er tut dies knapp nach Pascals Tod. Sehr viel später, um 1850 wird dann Robert Boyle zeigen, dass sich der Schall im Vakuum nicht ausbreiten kann, das Licht aber ungehindert durch es hindurch geht, 1873 wird Maxwell die einheitliche Theorie des Elektromagnetismus entwickeln und elektromagnetische Wellen voraussagen, deren Ausbreitung im Äther stattfindet, 1887 wird das Michelson-Morley-Experiment beweisen, dass das Vakuum nicht von einem materiellen Äther erfüllt ist und 1905 wird Albert Einstein zunächst die spezielle Relativitätstheorie auf der Basis der Unbeobachtbarkeit des Äthers entwickeln, um 1915 in der Allgemeinen Relativitätstheorie auf der Grundlage der Äquivalenz von schwerer und träger Masse schließlich behaupten zu können, dass der Raum (Vakuum) gekrümmt ist; nach Heisenbergs Unschärfebeziehung, Andersons Positron in der kosmischen Höhenstrahlung, Lambs und Rutherfords Nachweis der Existenz virtueller Teilchen im Vakuum kommt es von 1946 bis 1950 durch Feyman, Schwinger und Tomonaga zu einer Renormierung des Vakuumszustandes und H.C. Casimir wird auf die veränderbare Nullpunktsenergie des Vakuums verweisen und daraufhin vermuten, dass das Vakuum eine innere Struktur haben kann (Higgs-Felder, Goldstone-Bosonen); in Folge kommt es zu einer Reihe praktischer Anwendungen von Vakuumstrukturmodellen bis hin zur Entwicklung der Vorstellung vom geladenen Vakuum in starken Feldern und all das wird nach weiteren Zwischenschritten C. Rubbia und S. Van der Meer 1984 den Nobelpreis einbringen (vgl. Rafelski/Müller 1985, insbes. 195 ff)
[9] Diese Schwierigkeiten haben sich gemehrt, weil man das Manuskript der Pensées sorgfältig erhalten wollte und zu diesem Zweck die eigenhändig geschriebenen Fragmente, die Pascalforscher „Originalsammlung“ nennen, bereits 1662/63 zweimal sehr gewissenhaft in kleine Heftchen übertragen hat, wobei bei der ersten Abschrift die einzelnen Aktentitel durch unterschiedliche Hefte gesondert wurden, die man dann nach 1715 eingebunden hat. Die Originalhandschrift wurde auf große Bogen geklebt, eingebunden und 1711 den Benediktinern der Pariser Abtei Saint-Germain-des-Prés übergeben. Alle drei Sammlungen, die Originalsammlung und die zwei Abschriften sind erhalten geblieben und befinden sich heute in der Pariser Nationalbibliothek. Die ersten drei Herausgeber hatten 1670 bereits versucht, diesem Text eine gewisse Ordnung zu geben und diese Versuche wurden dann im 19. und 20. Jahrhundert mehrfach wiederholt. Das Geheimnis könnte mit der Einsicht verbunden sein, dass es sich als Ganzes um einen einzigen Gedanken handelt, weil Pascal in der Ausarbeitung seiner Werke von „Kernpunkten“ oder Leitideen ausging, „die alle als Anhalt für den Gesamtaufbau dienen“ (Blaise Pascal, Einführung von Armogathe 2004, 19). Im Verzeichnis der Aktenbündel, die in den Abschriften mit Titel versehen sind, kommt Folgendes vor: Ordnung, Eitelkeit, Elend, Langeweile, gesunde Meinungen des Volkes (das wurde aber wieder durchgestrichen und anstelle dessen notiert: Ursachen der Wirkungen), Größe, Widersprüche, Zerstreuung, Philosophen, Das höchste Gut, An Port - Royal, Beginn, Unterordnung und Gebrauch der Vernunft, Vortrefflichkeit, Übergang, Die Natur verderbt nicht, Falschheit der anderen Religionen, Liebenswerte Religion, Grundlage, Bildliches Gesetz, Rabbinisimus, Beständigkeit, Beweise für Moses, Beweise für Jesus Christus, Prophezeiungen, Bilder, Christliche Moral, Schlussfolgerung (vgl. ebd., 20)
[10] Parallel dazu heißt es unter dem Titel Langeweile und Haupteigenschaften des Menschen im Fragment 78/126: „Beschreibung des Menschen. Abhängigkeit, Verlangen nach Unabhängigkeit, Bedürfnisse“ (Blaise Pascal 2004, 67). An dieser Stelle sei auf die interessante Beobachtung Victor von Weizsäckers hingewiesen, der die Langeweile nicht nur mit psychischen, sondern auch mit körperlichen Vorgängen in Verbindung gebracht hat (Gesichtsausdruck, Innervation der Extremitäten usw.) und bei aller Anerkennung, die der sexuellen Libido wegen ihres Erklärungswertes durch die besondere Beziehung zur individuellen Körperlichkeit in der Medizin zukommt, müsse man aber auch zeigen und dieser Nachweise fehle bislang, dass auch Langeweile, Neugierde und Verdruss den körperlichen Vorgang nicht weniger bestimmen als die Sexualität. Wobei von Weizsäcker an dieser Stelle die Frage nach der Freiheit bzw. Entscheidung vorliegen sieht, da für ihn jemand das ist, wofür er sich entscheidet. Somit sind Langweile, Neugierde und Verdruss zwar als machtvolle Kräfte anerkannt, aber nicht als solche, welche das letzte Wort haben, das der Entscheidung vorbehalten bleibt und zwar deshalb, weil Leben und Tod nicht in die Sphäre des Seins, sondern in die Sphäre der Entscheidungen fallen (vgl. von Weizsäcker 1956, 307f)
[11] Im Fragment 47/171 heißt es: „(...) Die Vergangenheit und die Gegenwart sind unsere Mittel; allein die Zukunft ist unser Ziel. Deshalb leben wir nie, sondern hoffen auf das Leben, und da wir uns ständig bereit halten, glücklich zu werden, ist es unausbleiblich, dass wir es niemals sind“ (Blaise Pascal 2004, 54f)
[12] Vgl. Blaise Pascal 2004, 54
[13] Vgl. ebd. 99
[14] Vgl. das Fragment 136 in Blaise Pascal 2004, 97
[15] Wobei diese Ablenkung durch eine Beschäftigung geschieht „oder durch irgendeine angenehme und neue Leidenschaft, die sie ausfüllt, oder auch durch das Spiel, die Jagd, irgendein anziehendes Schauspiel und schließlich durch jenes, was man Zerstreuungen nennt“ (vgl. ebd. 96)
[16] Das erste mir bekannte freiwillige Biwak wird 1492 durch Antoine de Ville vom Gipfel des Mont Aiguilles vermeldet, wo er sich drei Tage lang aufhielt bis der Hofschreiber unten von seiner Ankunft oben offiziell Notiz nahm; 1540 soll Philotheo eine Nacht auf dem Ätna zugebracht haben und ein Jahr später biwakiert Fazellus mit mehreren Begleitern unterhalb desselben Gipfels; ob 1669 der Sultan Mehemed IV. mit seinen Gefährten auf dem Olymp ebenso eine Freinacht verbracht hat, wurde nicht berichtet, ist aber wahrscheinlich, denn alle waren schwer erkältet und erkrankt. Nicht viel anders mag es König Philipp V. von Makedonien 181 n. Chr. auf dem Rilo Dagh ergangen sein, den man erst nach drei Tagen zähen Ringens erreicht hat.[16] Das erste Notbiwak auf einem Gletscher dagegen ist genau dokumentiert, getroffen hat es 1786 Jacques Balmat bei seinem sechsten Versuch auf dem Mont Blanc, kurz vor der schließlich doch geglückten Erstbesteigung, als er beim Abstieg mutterseelenallein in die Nacht gekommen ist und mit seinem Stock eine Spalte entdeckt hat, die morgens noch hart gefroren, jetzt aber aufgeweicht war und unter seinen Füßen nachgab, weshalb er beschlossen hat, vor dieser Gletscherspalte zu schlafen. Er tat was er konnte, schob seinen Sack unter den Kopf, die Schneereifen unter seinen Rücken und unternahm allerlei Körperübungen, um im Gletschereis nicht zu erfrieren. Seine Kleider waren hart und gefroren, sie boten keinerlei Schutz. Aber er hatte die Nacht überstanden und erreichte bereits um acht Uhr morgens wieder das Dorf (vgl. Peskoller 19993, 240). Selbstverständlich gäbe es Biwakgeschichten noch zuhauf, die zu erzählen, sich zweifellos lohnt, erinnert sei an das Matterhorn von 1865 beispielsweise, an den Mount Everest 1953, den Nanga Parbat 1957 und 1972, den Fitz Roy, El Capitan oder die Trango-Türme am Ausgang des letzten Jahrhunderts (vgl. Peskoller 2001 und 19993, insbes. 239ff)
[17] Vgl. Miersch zit. nach Schneider 20054, 55
[18] Bei dieser Aufzählung kämen beispielsweise Hund und Katz vor, Walross, Kuckuck, Seepferdchen, Spinne Albatros, Schlange, Dohle, Schnecke, Schmetterling, Zikade, Bär, Taube, das Pflanzenschaf und wider Erwarten gehören sogar die emsigen Bienen dazu, denn sie arbeiten nur 30 Prozent des Tages und im Winter tun sie gar nichts, außer an den Honigvorräten sich zu laben und die Temperatur im Stock aufrechterhalten; kaum anders geht es bei Ameisen zu, denn einzelne Individuen der Art Letothorax acervorum bringen, das haben englische Forscher mit der Stoppuhr herausgefunden, ganze 78 Prozent ihren Lebens mit Ausruhen zu (vgl. Schneider 20054, 49 ff; vgl. aber auch Das Tier in mir 2002 und den Physiologus 2001)
[19] Als Bestätigung und Kontrastierung zugleich ließen sich hier Ciorans Überlegungen zur Freiheit lesen, da Freiheit für ihn unendlich zerbrechlich ist und sie kein Mittel hat, sich zu bewahren und die Gefahren zu überleben, die sie von innen und von außen bedrohen (vgl. Cioran 1965, 19). Deshalb gehört für Cioran zur Freiheit die Verausgabung, die den Menschen entkräftet, während Unterdrückung dazu veranlasst, Kräfte zu horten, „die Energieverschwendung verhindert, die sich aus dem Vermögen des freien Menschen ergibt, zu zeigen, nach außen zu projizieren, was er an Gutem besitzt. Man versteht, warum die Sklaven zuletzt immer den Sieg davontragen. Zu ihrem Unglück äußern sich die Herren, sie höhlen sich aus, drücken sich aus: die ungezwungene Anwendung ihrer Gaben, ihrer Vorteile aller Art reduziert sie zu einem Schattenzustand. Die Freiheit hat sie verzehrt“ (Cioran 1982, 166).
[20] Vgl. Jullien 1999, 114 ff
[21] Dadurch, so könnte man sagen, habe ich konkret und für die Winzigkeit eines Herzschlags tatsächlich erlebt, worin möglicherweise Julliens philosophische Strategie besteht, wenn er die Zeit nicht mehr als eine Hülle, sprich als abstrakte Zeit, sondern im Umweg über das chinesische Denken als etwas zu begreifen sucht, das um den Preis dessen nur gedacht wurde und werden kann, was es heißt, im „Jetzt“ zu leben. (vgl. Jullien 2004, 9 ff)
[22] Vgl. dazu Jullien 2004, 142 ff, der an die Einschreibung dieses diskreten Moments die Frage nach dem Glück knüpft und danach eine noch größere, nämlich die nach dem Leben stellt, die lautet: Wie wäre in der Philosophie die Frage nach dem Leben anzugehen? Was Jullien selbst vorschlägt, ist, diese Frage nicht auf Seiten der Zeit, der vergehenden Zeit (dem instans), sondern auf Seiten des variierenden Moments als die Quelle von Erneuerung zu suchen (vgl. hierzu auch die Auseinandersetzung mit Bergson, Hegel oder Kant bis Jacobi ebd. 145 ff)
[23] Indem ich Muße nicht als Gegenstand, sondern als einen Zustand begreife, der sich während einer Tätigkeit diskret, unvermutet einstellen kann, weil man Zeit gibt, sich vom Ablauf der Dinge tragen lässt, stelle ich mich gewissermaßen der Forderung nach einer Entkoppelung von Arbeit und Muße entgegen. So eine Forderung hat auf überzeugende Weise beispielsweise Konrad Paul Liessmann erhoben: „Wenn es uns aber ernsthaft, aus welchen Gründen auch immer, darum gehen sollte, zu dieser Welt der Arbeit, die allumfassend geworden ist, wirklich noch so etwas wie die Möglichkeit und die Chance einer wahrhaften Alternative, einer ‚Muße’ zu entwerfen, dann werden wir nicht umhin kommen, darüber nachzudenken, wie wir Lebenseinkommen, Lebenssicherung, soziale Standards, Wertschätzung von kommunikativen und gemeinschaftlichen Tätigkeiten auf der einen Seite und Arbeit, Arbeitseinkommen, Erwerbstätigkeit, Kapitalgewinne, Produktivität von mehr oder weniger notwendigen Gebrauchsgütern auf der anderen Seite zu ‚entkoppeln’. Denn das scheint mir die einzige ökonomische und soziale Voraussetzung zu sein, dass wir tatsächlich einen Boden finden, auf dem wir ein anderes Verhältnis zur Arbeit gewinnen können als das, dass wir es als Ausdruck und Wesen des Daseins verstehen“ (Liessmann 2002, 239). Wobei der Autor einräumt, dass diese Entkoppelung mit Sicherheit kein Leichtes wäre, da „es ein neuerliches Einüben in soziale, kulturelle und emotionale Verhaltensweisen bedeuten würde, die wir uns unter vielen Schmerzen in den vergangenen fünf Jahrhunderten ausgetrieben haben“ (ebd.). Es wird davon ausgegangen, dass die Reflexion des Verhältnisses von Arbeitszeit und Freizeit zu einer paradoxen Erfahrung der Gegenwart nötigt, die auf zwei sich einander widersprechende Thesen bringen lassen: Die erste These lautet, dass die Arbeit immer weniger wird und die zweite besagt, dass wir alle immer arbeiten. Nun ist es aber nicht so, dass die Verknappung der Arbeit zur Ausdehnung einer tatsächlich arbeitsfreien Zeit führt, sondern sie bewirkt bestenfalls eine Expansion der Freizeit und „damit wird alle Tätigkeit in der Zeit, die nicht der Erwerbsarbeit gewidmet ist, dennoch nach dem Modell von Arbeit konfiguriert“ (ebd. 227f; bezeichnenderweise fehlt im Glossar der Gegenwart der Begriff Muße; vgl. zur Unterscheidung, Begründung und Erklärung von Arbeit auch Pieper 1989).
[24] Vgl. Cioran 1965, insbes. 91ff
Literatur
- Arbeit, Freizeit, Musse. Was ist eine Universität? Zwei Beiträge von Josef Pieper. Regensberg: Münster 1989 (Akademische Reden und Beiträge; 5)
- Blaise Pascal Gedanken über die Religion und einige andere Themen. Hgg. von Jean-Robert Armogathe. Aus dem Franz. übersetzt von Ulrich Kunzmann. Reclam: Stuttgart 2004
- Cioran, Emile, M., Geviertelt. Aus dem Franz. übersetzt von Bernd Mattheus. Suhrkamp: FaM 1982 (im franz. Original 1979)
- Cioran, Emile, M., Geschichte und Utopie. Klett: Stuttgart 1965 (im franz. Original 1960)
- Michel de Montaigne, Essais. Eine erste Gesamtübersetzung von Hans Stilett. 3 Bücher. Eichborn : FaM Taschenbuchausgabe 4/2000
- Das Tier in mir. Die animalischen Ebenbilder des Menschen. Hgg. von Johannes Bilstein und Matthias Winzen. Verlag der Buchhandlung W. König: Köln 2002
- Glossar der Gegenwart. Hgg. von Ulrich Bröckling, Susanne Krasmann und Thomas Lemke. edition suhrkamp: FaM. 2004
- Jullien, François, Über das Fade – eine Eloge. Zu Denken und Ästhetik in China. Merve: Berlin 1999
- Jullien, François, Über die „Zeit“. Elemente einer Philosophie des Lebens. diaphanes: Zürich/Berlin 2004
- Liessmann, Konrad Paul, Freizeit als Arbeitszeit. Über die Vernichtung der Muße in der Moderne. in: Zeit und Geschichte 2002, 227-239
- Peskoller, Helga, BergDenken. Eine Kulturgeschichte der Höhe. Eichbauer: Wien 19993
- Peskoller, Helga, extrem. Böhlau: Wien/Köln/Weimar 2001
- Physiologus. Griechisch/Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger. Reclam: Stuttgart 2001
- Rafelski, Johann/Bernd Müller, Die Struktur des Vakuums. Ein Dialog mit dem „Nichts“. Verlag H. Deutsch: Thun 1985
- Schneider, Wolfgang, Die Enzyklopädie der Faulheit. Ein Anleitungsbuch. Eichborn: FaM 20054
- Weizsäcker, Victor von, Pathosophie. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen 1956
- Zeit und Geschichte. Hgg. von Erhard Chvojka, Andreas Schwarcz und Klaus Thien. Oldenbourg: Wien/München 2002
Mittwoch, 24. Juni 2009
BIWAK

ein Vortrag von Helga Peskoller
beschreibt Zustände des Untätigseins beim Übernachten im Freien und
handelt vom Dösen und Hören. Zu hören sind Geräusche wie Schritte,
Blitz und Donner, der Herzschlag und das Surren eines Gehirns.
Blaise Pascals Frage, warum es denn nicht gelinge, sein Leben nur in einem Zimmer zu verbringen und dabei glücklich zu sein, bildet den roten Faden. Die Antwort fällt ähnlich einfach wie die Frage aus und lautet: wegen der Zerstreuung, aber auch: wegen der Ruhe. So folgt der Vortrag also beidem, der Ruhe wie der Zerstreuung und nimmt fast unbemerkt, fernab des Zimmers die Spuren einer Lösung auf.
Mittwoch, 17. Juni 2009
Samstag, 4. April 2009
meine Arbeit 2009

Montag, 21. Juli 2008
Bericht aus St.Antönien Juli 08
kommen
von oben,
vom
Berghaus Sulzfluh
wo uns Ernst Flütsch
und Käthi
beherbergen.
Vielen Dank.
Dort treffen Menschen aufeinander wie beispielsweise der Jubilar am

Mittwoch. Er kam von Australien angereist und feierte mit Freunden seinen 70er. Früher sei er als Kind mit den Eltern hier öfters in den Ferien gewesen.
Mark aus Luzern, dessen Großvater in St. Antönien gelebt hat und dann nach Schiers gegangen ist, um eine Landwirtschaft zu pachten und zu bewirtschaften. Der Vater sei dann in jungen Jahren nach Luzern gegangen und er selbst komme immer wieder herauf, kurz, um auszuspannen.
Oder die vier vom Samstagabend, auch sie kamen aus Luzern. Zwei davon hatten letzten Oktober hier oben ihre Hochzeit gefeiert, es sei ein sehr schöner Herbsttag gewesen. Und nun kamen sie wieder mit Freunden, sie waren auch bereits bei der Hochzeit dabei und nahmen damals ein Heublumenbad im Zuber neben der Hütte. Jetzt überlegen sie gerade, ob sie trotz Nebel eine Wanderung zum Tilisuna Fürggeli machen sollen.
Und das junge Pärchen aus Basel, es fuhr mit dem Motorrad von Lugano über S-charl im Engadin ins Partnun, um die Ruhe zu genießen. Sie erzählten uns, dass sie mit einem kleinen Funkgerät miteinander verbunden seien, damit sie sich auch unterwegs unterhalten können. Die Destination haben sie übrigens im Internet ausfindig gemacht.
Ganz anders ist es bei Ueli aus dem Berner Oberland. Er kennt die Gegend schon vom Schitourengehen. Im vergangenen März sei er mit einer SAC-Gruppe hier gewesen und war begeistert vom Schnee und Gelände. Warum er heute da ist, das hat aber einen noch anderen Grund. Er betreut vier Kollegen, die beim Swiss Bike Masters am Wochenende mitmachen, 120 km auf- und abradeln. Am Sonntagabend, wenn der Spuk vorbei ist, möchte er nochmals herauf kommen, essen, schlafen und sich erholen.
Der Abdruck verbindet die Wege mit den Fußsohlen. Er verdankt sich der Berührung und verhält sich wie ein Kuss zwischen dem, der kommt und geht und dem, was ist und bleibt. Man spürt ihn, er tönt und ist plastisch wie ein Relief, Bild oder Objekt. Zudem sind Abdrücke Archive, sie verwahren, was man ergangen hat.
Ringsum grün, unten ein kleiner See, ein Zollhäuschen, Stützen einer Materialseilbahn. Die Hütte steht gleich hinterm Eck. Apfelsaft auf der Terrasse. Ein Sherpa aus dem Solu Khumbu/Nepal spannt Sonnenschirme auf, einen nach dem anderen. Die Gäste bestellen Apfelstrudel mit Vanillesoße, Mineralwasser und Cola.
Ursi, sie ist neun, steht schon oben, sie schickt eine SMS an ihren Vater und der Text lautet: Vor uns das Kreuz, hinter uns der Klettersteig. Sie war mit ihrer Mutter, die früher in St. Antönien gewohnt hat, herauf geklettert und dann blitzschnell über den Gamschtobel hinunter gesaust. Vorher hat die Mutter die Gipfel rundum erklärt, ganz hinten, sagte sie, dieser weiße da, der ist der Bernina.
In der Zwischenzeit sind auch noch andere angekommen, eine Frau aus Indien zum Beispiel, deren Begleiter, er ist vom Ort und will, dass sie ganz bis vor geht und dann hinunter schaut über die Wand. Doch der Pfad im Schnee ist etwas ausgesetzt, sie zögert, geht aber dann doch nach vorne und es scheint, als hielte sie beim Gehen den Atem an.
Jetzt ein großer Sprung über die Prättigauer Berge hinaus und hinüber zum Himalaya. Davon handelt ein Teil von dem, was auf der „Bühne“ des Schulhauses von St. Antönien am 19. Juli vorgetragen wurde. Der Abwart hat alles vorbereitet, bestuhlt, abgedunkelt und den Beamer bereitgestellt. Auch Manuela ist gekommen, zwar etwas müde vom Heuen, aber sie wollte sich das anhören, auch wenn sie, wie sie sagt, von der Kunst nicht viel versteht. Nur lesen, das tut sie oft und gern. Was es zu hören gibt, handelt vom Gehen, danach ein Gespräch mit den TeilnehmerInnen und der Ausklang bei einem Malanser im Gasthaus Rhätia.
Helga Peskoller St. Antönien, 19. Juli 2008
gehen[1]
Die Annäherung an ein Übermaß hat drei Teile – Umriss, Fläche, Raum[2] – und bezieht sich auf die Frage: Welches Leben? Unterstellt wird, dass angesichts des ausgewählten Gegenstands Menschen falsch messen, vermessen oder anmaßend sind und sein müssen. Ausgangspunkt ist einmal mehr die Natur. Sie arbeitet im Großformat (vgl. Peskoller 19993, 9), fasziniert über die Maßen und gibt im Gliedmaß den ersten Maßstab vor. Was meinem Denken vorausliegt, lässt sich auf die Kurzformel – kein Maß durch Messen, keine Messung ohne Maßeinheit – bringen, wobei die ins geheime Annahme lautet: Maß endet und entsteht in der Maßlosigkeit (vgl. Bataille 1975).
[1] Der Titel kam mit dem Plan, den Kailash zu umrunden. Dieser heiligste der Berge befindet sich in Tibet, misst 6 714 Meter und ist unbestiegen. Jahr für Jahr kommen unzählige Pilger, um sich niederwerfend, mit dem eigenen Leib den Berg zu vermessen. Diese Niederwerfungen wollte ich beobachten und kleinteilig beschreiben, um welche Art der Maßnehmung es dabei gehen könnte. Das alles sollte 7 Tage dauern, wobei meine eigene Umrundung wesentlich einfacher ausfallen würde, nur gehend im Stand ohne Niederwerfung. Eine touristische Ausmessung also, allein mit den Füßen, Kopf, Brust und Bauch berührt den Boden nicht, zumindest nicht freiwillig. Der Unterschied im Maßnehmen dieser zwei Fortbewegungsarten an einem speziellen Ort und in einer anderen Kultur sollte Gegenstand dieses Beitrags werden, dazu kam es nicht, der aber Titel blieb, er handelt vom Gehen i.S. von vermessen (vgl. Peskoller 2007).
[2] Mit dieser Gliederung setze ich meine Gedanken über das Unmögliche fort (vgl. Peskoller 2000) und bewege mich damit auf die Umkehrung jener Einteilung zu, die – auf Vilém Flusser bezogen – Dietmar Kamper dem anthropologischen Dreieck unterlegt hat (vgl. Kamper 2001, 15ff)
Umriss
Martina Tscherni, mount everest 8848m. Paustechnik, Graphit auf Bütte, 80 x 110 cm, 2003Das ist ein Berg, über 200 Millionen Jahre alt, 2003 in 3 Stunden entstanden. „Als Laie,“ sagt die in Wien lebende Tiroler Künstlerin Martina Tscherni,[1] „könne man Berge nur über ihre Silhouette begreifen.“ Die Silhouette bedarf der Ferne. Auf Distanz, als weiche Kontur ohne jede materiale Last, verträgt das menschliche Auge die ungeheure Masse aus Stein, Eis und Schnee. Diese Verträglichkeit ist hier ins Bild gesetzt. Den Ort des Betrachters markiert die ziegelrote Linie an der Basis. Sie hält den x-fach verkleinerten Bergumriss in Schwebe und davon ab, auf und davon zu fliegen. Er ist, wie der Titel rechts unten auch – mount everst 8848m – keine Linie, sondern besteht aus vielen kleinen Punkten und erzählt die Geschichte zweier Verfahren der Übertragung: vermessen[2] und pausen.
[1] Martina Tscherni, 1963 in Hall i. Tirol geboren, studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien (Tapisserie bei M. Rader-Soulek, Graphik bei E. Caramelle), zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland (u.a. Wien, Winterthur, Madrid, Toronto).
[2] „Sir, wir haben den höchsten Berg der Welt entdeckt,“ sagte 1852 Radanath Sikhdar zu seinem Direktor Andrew Scott Waugh, der als Nachfolger und zu Ehren von George Everest, welcher vor ihm die Leitung der indischen Landvermessung innehatte, dem höchsten aller Berge den Namen Mount Everest gab. Zwar stand dieser Berg auch vorher nicht namenlos herum, in Nepal nannte man ihn Sagarmatha, was man mit „Himmelsstirn“ oder „Göttin des Universums“ übersetzen könnte, während er in Tibet Chomolungma heißt, was ungefähr „Göttinmutter des Schnees“ bedeutet; für die größte aller Erhebungen hielt man ihn nicht. Aufgrund von Wolken und Nebel, welche die Sicht auf die Gipfel vom Tiefland aus erschwerten, wurden bis 1847 nur wenige Messergebnisse erzielt, aber 1849 konnte der „Peak XV“, wie ihn die Engländer vorher bezeichneten, erstmals mit einem Theodolit-Fernrohr angepeilt werden. Keiner der Beobachter schöpfte den Verdacht, dass es sich hier um eine Sensation handeln könnte. Die Aufgabe war nicht einfach, allein das Vermessungsinstrument hatte ein Gewicht von einer halben Tonne, zwölf Personen schleppten es durch unwegsames Gelände bis an den Fuß des Himalaya und bereits die Justierung nahm sehr viel Zeit in Anspruch. Nach der Winkelbestimmung aus über 150 Kilometer Entfernung vergingen sieben Jahre bis die endgültige Triangulationsberechnung vorlag und die Berghöhe mit 29.002 Fuß, das sind 8.840 Meter, in die Karten eingetragen werden konnte. Im September 1992 stand man dann erstmals mit einer GPS-Ausrüstung auf dem Gipfel, die mittels Satellitensignalen ermittelte Höhe ergab 8.846,1 Meter; am 11. November 1999 hat schließlich der emeritierte Professor für Kartographie am Boston Museum of Science anlässlich eines Mount-Everest-Abends der National Geographic Society und des American Alpine Club Bradford Washburn die neu vermessene Höhe mit 8850 Meter bekannt gegeben. Das sind 2 Meter mehr als es in den meisten Atlanten, Karten, Statistiken und unter Tschernis Bild steht, diese Vermessung geht auf das Jahr 1955 zurück. Es würde sich lohnen, den Stellenwert der erstaunlich genauen Erstvermessung innerhalb der Geschichte der Kartographie zu bestimmen und darüber hinaus die merkwürdige Tatsache weiter zu klären, weshalb es nicht die formschönsten, zugänglichsten oder schwierigsten, sondern die jeweils höchsten Berge sind, auf die sich spätestens nach Bekanntgabe der ultimativen Höhe zuerst der Wettlauf richtet, das war beispielsweise beim Mont Blanc auch nicht anders (vgl. Peskoller 19993, insbes. 92 - 117).
Fläche

Anstieg bei Sturm auf Gletscher. Videostill aus: Everest.
50 Years on the Mountain. National Geographic, DVD 2003
Während Martina Tscherni mit dem Fahrrad die Hochebene Tibets durchquert, hält ein Filmteam auf der anderen Seite des Berges ein besonderes Ereignis fest: Jamling Tenzing Norgay und Peter Hillary, die beiden Söhne der Erstbesteiger von 1953, ringen, der eine im Basislager[1] und der andere am Berg, im Mai 2003, also 50 Jahre später um den Gipfel. Steilheit und Nähe lassen den Berg nicht mehr als eine Silhouette wahrnehmen, sondern verwandeln ihn in eine riesige Fläche. Der Wind streicht den Schnee über sie und macht ein Bild aus ihr, schwarze Punkte auf weißem Grund. Die Punkte schieben sich im Film höher und über das Bild hinaus. Zurück bleibt ein Datum mehr in einer Geschichtsschreibung der Rekorde. Sie beginnt mit dem Großprojekt der britisch-indischen Landvermessung im 19. Jahrhundert und setzt sich in Triumphen und Tragödien des 20. Jahrhunderts fort. Wissenschaft und Bergleidenschaft hinterließen zwischen 1921 und 1999 geschätzte 615 Tonnen Müll und jährlich kommen gut 60 Tonnen hinzu, von denen Freiwillige 10 Tonnen pro Jahr entsorgen. Die Müllentsorgung erschüttert auch die Heldenmythen. Am 1. Mai 1999 hat beispielsweise der Amerikaner Conrad Anker auf 8230 Meter Höhe in einer Mulde unter dem Nordostgrat die Leiche des englischen Lehrers George Mallory gefunden. Sein Körper ist relativ unversehrt geblieben, er lag auf dem Bauch und war am Boden angefroren. Für Reinhold Messner, der mit anregte, das olympische Feuer für 2008 in Peking über den Everest nach China zu tragen, ein Beweis mehr und auch weniger, dass der Gipfel nicht erst 1953, sondern bereits 1924 erstiegen wurde und zwar von Tibet aus (vgl. Messner 2000, insbes. 191ff). Mallory hätte dies vermutlich tun können, er war mindestens so vermessen wie es jene sind, die ihm nachfolgten.[2] Heute liegen an die 160 Tote irgendwo auf dem Gletscher herum und von der bislang 3000.sten Gipfelbesteigung, die man am Ende des Jahres 2006 registriert hat, nimmt die internationale Berichterstattung kaum noch Notiz (vgl. Peskoller 2008) Die Überschreitung aller Grenzen hat als ungewolltes Resultat eine Grenzenlosigkeit herbei geführt, die sich als Unterschiedslosigkeit äußerst und in krassem Gegensatz zur ursprünglichen Intention steht.
[1] J. T. Norgay hat den Everest bereits 1996 bestiegen (vgl. Norgay 2003) und stand der Jubiläumsexpedition von 2003 unterstützend bei.
[2] Internationale Meilensteine: Am 29. Mai 1953 erreichen Tenzing Norgay Sherpa (Nepal) und Edmund Hillary (Neuseeland) den Gipfel und zwar über den South Col, was in Folge zum „Normalanstieg“ wird; am 23. Mai 1956 stehen mit Jürg Marmet und Ernst Schmied (Schweiz) die ersten Europäer auf dem höchsten Punkt; am 25. Mai 1960 kommen Wang Fu Chou, Gonpa und Chu Ying Hua (China) erstmals über die Nordseite oben an; Junko Tabei (Japan) war am 16. Mai 1975 die erste Frau, die über den Normalanstieg den Gipfel erreichte. Die erste Besteigung ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff gelang am 8. Mai 1978 auch über die Normalroute Reinhold Messner (Italien) und Peter Habeler (Österreich), wenige Tage später erreichte dann Franz Oppurg (Österreich) mit Sauerstoff, aber als erster allein den Endpunkt; am 16. Oktober desselben Jahres stand Wanda Rutkiewicz (Polen) als erste Europäerin oben. Die erste Winterbesteigung hat Krsztof Wielicki mit Leszek Cichy (Polen) durchgeführt und am 17. Feber 1980 standen die beiden auf dem Gipfel. Die erste Solobesteigung ohne künstlichen Sauerstoff verbucht am 20. August 1980 Reinhold Messner, er ist es auch, der als erster Mensch den Everest von beiden Seiten – Norden und Süden – und bestieg. Im Mai 1988 war eine Drei-Nationen-Expedition (Japan, China, Nepal) erfolgreich. Der erste Paraglide-Flug vom Gipfel fand durch Jean Marc Boivin aus Frankreich am 26. September 1988 statt. Am 7. Oktober 1990 erreichte mit Andrej und Marija Stremfelj (Slowenien) das erste Ehepaar gemeinsam den Gipfel. Die erste Frau, die den Berg auch von beiden Seiten erstieg (von Süden 1996 und von Norden 1999), war Cathy O´ Dowd (Südafrika). Vom 23. auf den 24. Mai 1996 stieg Hans Kammerlander in einem Zug in 17 Stunden allein vom Basislager zum Gipfel, um dann als erster mit den Schiern abzufahren. Die erste Abfahrt auf Schiern vom Gipfel ohne die Schier abzuschnallen gelang am 7. Oktober 2000 in 5 Stunden vom Gipfel zum Basecamp Davo Karnicar aus Slowenien. Marco Siffredi (Frankreich) absolvierte am 23. Mai 2001 in 2,5 Stunden die erste Abfahrt auf einem Snowboard über die Nordroute. Mit Tom Whittaker (USA) war am 27. Mai 1998 der erste gehbehinderte Mensch auf dem Gipfel, 2001 folgte Erik Weihenmayer (USA) als erster blinde Mensch. Als älteste Frau führte man zuerst Anna Barbara Czerwinska (Polen), sie stand am 22. Mai 2000 im Alter von 50 Jahren und 10 Monaten auf dem Gipfel, zwei Jahre später wurde dieser Rekord von Tama Wantanabe (Japan) gebrochen, sie war 63 Jahre und der älteste Mann war mit 65 Jahren Tomiyasu Ishikawa (Japan), beide erreichten gemeinsam im Mai 2002 ihr Ziel; Ishikawa hatte Sherman Bull (USA), der am 25. Mai 2001 im Alter von 64 Jahren den Gipfel erreicht hat, abgelöst. Am 22. Mai 2003 wurde dann dieser Rekord erneut überboten, weil Yuichiro Miura (Japan) im Alter von 70 Jahren oben ankam und zwar gemeinsam mit seinem Sohn Gota Miura (vgl. zur Everestgeschichte u.a. auch Messner 1981 und 2003).
Nepalesische Höchstleistungen: Der erste Einheimische, der fünfmal am Gipfel stand, war Sungdare Sherpa; erstmals ohne künstlichen Sauerstoff waren Mingma Norbu und Ang Dorje Sherpa 1979 erfolgreich. 1993 leitet mit Pasang Lhamu Sherpa eine Frau die erste nepalische Frauenexpedition und stand am 22. April selbst auf dem Gipfel. Der erste, der zwei Mal in einer Saison den Gipfel erreicht hat (1995, 1999) war Babu Chiri Sherpa, und er war es auch, der am 21. Mai 2000 mit 16 Stunden und 56 Minuten den bis dahin schnellsten Anstieg für sich verbuchen konnte; Lhakpa Gelu Sherpa benötigte am 25. Mai 2003 dann nur noch 10 Stunden, 56 Minuten und 45 Sekunden und Pemba Dorje Sherpa erreichte 2004 sogar zweimal innerhalb von 5 Tagen den Gipfel. Der jüngste Gipfelmensch war lange Zeit Shabu Tamanh, er erreichte am 5. Mai 1973 den Gipfel und dieser Rekord hatte 18 Jahre lang Bestand. Dann folgte Temba Tshering Sherpa im Alter von 15 Jahren und 18 Tagen und dieser Rekord wurde 2 Jahre später, am 24. Mai 2003 von einem Mädchen gebrochen: Ming Kipa Sherpa erreichte mit genau 15 Jahren den Gipfel. Die meisten Aufstiege, es waren insgesamt 10, konnte zuerst Ang Rita Sherpa für sich verbuchen, er ging immer ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff; ihm folgte Apa Sherpa mit insgesamt 13 Besteigungen, die letzte war am 26. Mai 2003. Mittlerweile übernachtet man dort, Babu Chiri Sherpa hat bereits insgesamt 21 Stunden auf dem Gipfel des Everest zugebracht (vgl. dazu insbes. Sherpa/Höivik 2003).
Ob die internationalen oder nationalen Rekorde, von denen man im Westen kaum etwas hört, angemessen beurteilt werden, wenn man sie mit unvorstellbar, großartig, wahnsinnig oder absurd kommentiert, bleibt eine offene, nicht uninteressante Frage, dasselbe gilt für die Einschätzung des Zusammenwirkens von Höchstleistungen und Kommerzialisierung des Höhebergsteigens, über deren Schattenseite insbesondere Jon Krakauer (1998; vgl. aber auch Kropp 1998) medienwirksam berichtet hat. Wo Krakauer aufgehört, setzt Maria Coffey (2005) fort und beschreibt die Auswirkungen von Besteigungsversuchen, die gescheitert sind auf diejenigen, die zuhause geblieben sind und gewartet haben.
– Gehen: Originalton, 50 sec. –
Raum
Weit weniger spektakulär ist Wandern oder Gehen als Abdruck und Ausdruck wie Malen oder Schreiben. Es stellt Abstand her, weckt Reserven, löst Verspannungen, erzeugt ein Gefühl für das eigene Körpergewicht, den Untergrund und die kommende Situation. Gehen macht deutlich, dass Körper und Geist nicht identisch sind, im Rhythmus aber eine Verbindung eingehen, in der wechselweise Körper wie Geist als das Eigene und das Fremde wahrgenommen wird (vgl. Giersch 1984). Ohne zu stolpern, aufrecht auf- und abzusteigen gelingt, wenn man auf seine Gliedmaßen hört, sie unterrichten über das rechte Verhältnis und jene Menge von Bewegungen, die gerade ausreichen. Ursprünglich war das Gliedmaß ein Maß für den Bau und die Länge, sprich die Gliederung des menschlichen und tierischen Leibes. An ihm ist nichts zuviel oder zu wenig. Diese vollkommenste aller Ordnungen also schafft, haltet und gibt ein Maß vor, das die Ausdehnung in Raum, Zeit und Kraft begrenzt und so die Art der Fortbewegung bestimmt. Gehen mäßigt. Beim Gehen im freien Gelände, wo kein Schritt dem anderen gleicht, spielt der Leib seine bestechendste Fähigkeit aus, die Variabilität und ruft mit ihr ein zweites Maß in Erinnerung, das Gleichmaß. Die Schritte sind, je steiler es wird, um so exakter dem Atem eingepasst und er richtet sich nach dem Schritt. Verliert man den Rhythmus und gerät ins Wanken, Stolpern oder Stürzen, stellt sich das erste Maß der Glieder als Maßstab der Überschreitung heraus. Ohne Überschreitung gibt es kein Gehen und ohne zu gehen wächst keiner über sich hinaus. So weist beispielsweise das Erregungsmuster der Muskeln bei den ersten freien Schritten eines Kleinkindes ein wirres Durcheinander auf[1] und produziert unendlichen Stress, der erst nach cirka 40 Tagen, wenn die Beinchen sich effizient zu bewegen gelernt haben und das Orchester im Gehirn wieder harmonisch klingt, nachlässt und aufhört (vgl. Bachmann 1999, 26). Gehen lernen ist Schwerstarbeit, Gehen zu können menschlich und somit hybrid, d.h. vollkommen natürlich und zugleich ganz und gar kulturell. Damit nicht genug, Menschen können nicht nur bis an das Ende der Kultur gehen, Gehen schafft Kultur und Kunst auch - ein Beispiel.[2]
[1] An diesem Durcheinander sind der vordere Schienbein- und Zwillingsmuskel beteiligt, der breite und zweiköpfige Oberschenkel- sowie der große Gesäß- und Bauchmuskel und der Rückenstrecker.
[2] Dieses eine Beispiel müsste, was aber den Rahmen sprengt, durch viele andere erweitert werden. Erwähnen möchte ich dennoch und zumindest Not Vital mit seinem Carriola per l‛Everest von 1988 und die Installation samt Selbstexperiment mit dem Titel Boots for Climbing Piz Ajüs von 1991-92, aber auch Hamish Fulton, der behauptet, dass Wandern verwandelt und eine Art Magie ist. Aus Fultons Wanderungen sind unterschiedliche künstlerische Lösungen – fotografisch oder in Form konzeptioneller Dokumentationen – hervorgegangen, sie halten jeweils die Länge der Wanderung, Entfernungen und die genaue geografische und topografische Beschaffenheit des Gebietes als Zeichnung oder Wandmalerei fest wie beispielsweise SEVEN ROCKS 1996, NO TALKING FOR SEVEN DAYS 1993 oder ROCK FALL ECHO DUST 1988 (vgl. dazu Peskoller 2001, 70-96 und 176f; zur Ikonographie der Bergdarstellung unter dem Aspekt des Erhabenen Peskoller 2002; über Klettern als Selbstbildungsprozess Peskoller 2003; vgl. allgemein Von der Natur 1990, Alpenblick 1997, Die Schwerkraft 1997, Landschaft 1998, Ansichten 2001 oder Der Berg 2002)
Urs Breitenstein, Ohne Titel 2000. Schuhe des Künstlers, Mehl, 18 x 58 x 11,5cm
Welches Leben?
Die Berg-Pause war das erste, diese Mehl/Schuh-Arbeit das letzte Bild.[1] Es besteht aus einem auf Augenhöhe an die Wand montiertem, wenige Male getragenem Paar Schuhe, deren Sohlen, auf denen wir sonst auf dem Boden zu gehen pflegen, nach oben gedreht sind. Darauf wird das, was wir auf Wanderungen normalerweise zur Brotzeit mitnehmen als Mehl zu einem Gebirge gehäuft, das nun auf den Sohlen von Schuhen ruht, aus denen der Träger, wie in eine unbestimmte Abwesenheit herausgefallen zu sein scheint, während die Schnürsenkel frei hängend in ewigen Gründen wurzeln. So beschreibt der in Frankfurt lebende, Basler Künstler Urs Breitenstein seine 2000 entstandene Arbeit (vgl. Breitenstein 2002, 326).
Die Berg-Pause verdankt sich dem Fahrrad, die 1000 Kilometer von Lhasa nach Kathmandu wurden nicht ergangen, sondern abgerollt. Auf dieser Strecke mit Blick auf den Everest hat die Künstlerin bei Tageslicht im Zelt Entwürfe angefertigt und Fotos gemacht, von denen eines zuhause ausgewählt, eingelesen, der Umriss des Berges abgenommen, als Linie vergrößert und der Ausdruck mit einem Stanzeisen so bearbeitet wurde, dass Löcher von 0, 5 mm Durchmesser entstanden sind, die mit Graphitpigmenten in einem kleinen Stoffbeutel bestäubt wurden. Danach wurde der Lochpausenkarton vorsichtig abgenommen und die Spuren des verwischten Kohlenstaubs auf dem handgeschöpften Büttenpapier fixiert. Diese Paustechnik ist nicht neu, meines Wissens kam sie seit der Renaissance zur Anwendung, zwei bekannte Beispiele sind Luca Signorellis „Drei Reiter“ oder die Sixtinische Kapelle. Diente hier die Paustechnik nur als Hilfsmittel der Vergrößerung zur Übertragung des Gezeichneten auf eine Wand, die jeden Überblick nimmt, ist beim Everestbild das Gegenteil der Fall. Hier wurde nicht gepaust für eine Projektion, es ist weder eine Vergrößerung, noch eine Verkleinerung beabsichtigt, sondern die Arbeit hört auf halbem Weg mit einem Hilfsmittel, das schon die Zeichnung ist, auf.[2]
Vermessen und Pausen, Steigen, Wandern oder Gehen waren Annäherungen an ein Übermaß. Räume wurden zurück geholt, indem man sie wieder und anders in Gebrauch genommen hat und dieser Vorgang sollte an der größten Erderhebung deutlich gemacht werden. Diese Wahl hat aber auch einen persönlichen Grund, im vorletzten Sommer war ich selber dort. Nüchtern in Zahlen ausgedrückt bin ich insgesamt an die 600 km zu Fuß gegangen und habe dabei ca. 69.000 Höhenmeter in 66 Tagen überwunden, wobei die maximal erreichte Höhe weit über 6.000 Meter lag, weil dort der Berg, auf den ich solo stieg, zuende war. Doch weder dieser Gipfel, noch die Wegstrecke, das Auf und Ab oder die Dimension der Höhe haben mich zu einer besonderen Erkenntnis geführt, sie blieb wider Erwarten aus. Anstelle einer Erkenntnis hat etwas anderes stattgefunden. Im Gehen, könnte man mit François Jullien sagen, wurde abseits vom Glück mein Leben genährt. Das ist nicht viel, macht keinen Sinn, war aber auch nicht sinnlos. Was in der Tiefe „nähren“ meint, wäre eine Art Gesamtheit der Erfahrung wiederzuerlangen und zwar so weit, dass sich die Idee der Ziel- und Zweckbestimmung zurückzieht auf ein Minimum (vgl. Jullien 2006, 9). Oder anders gesagt, beim Gehen in der Höhe kam ich mit einem vom Druck des Sinns befreiten Leben in Kontakt, das, statt das Glück anzurufen, wandlungsfähig macht, die Kraft zu leben verfeinert und in Folge auch das eigene Denken überarbeitet hat, was in dieser fremden Kultur und Höhe ohnehin längst kein eigenes mehr war.
Langes Gehen in den Bergen profaniert[3] und orientiert. Orientierung meint hier die Ankunft im eigenen Leben ohne Aufschub oder auf Vorrat. [4] Der Maßstab des Gehens ist 1 : 1. Man vergrößert und verkleinert die Welt nicht, sondern lässt sie dort, wo sie ist. Investiert wird in den Verlust: Das Reden fällt schwer, Denken auch und die Bilder innen weichen einer Wirklichkeit außen, die angreift aber nicht entkräftet. Mit den Füßen, die jemand benützt, kommt etwas von diesem Körper zurück und mit ihm ein Denken, das nie mehr ohne Körper geht.
Wenn man dann endlich einmal mit dem Körper denkt, das Denken stiller und der Behälter leer geworden ist, kommt mit der Absenz der Gedanken die Angst, dass nach der Rückkehr die Gedanken ausbleiben, keiner davon mehr zu gebrauchen oder zu erinnern ist. Diese Angst ist weder unbegründet noch bodenlos, aber sie gestaltet sich schwieriger als Gehen,[5] jetzt noch.
[1] Ein Nachtrag: Urs Breitenstein wurde 1951 in Basel geboren, 1970/71 Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik an der Universität Basel, 1972-76 Schule für Gestaltung in Basel, Ausstellungen. Literatur: Frankfurter Kreuz. Tranformationen des Alltäglichen in der zeitgenössischen Kunst. Ausstellungskatalog Schirn Kunsthalle Frankfurt. Ostfildern-Ruit 2001
[2] In krassem Gegensatz dazu stand zeitgleich das mit 3000 Quadtratmetern weltweit größte 3600- Panorama vom Everest. Es wurde vom in Berlin lebenden Architekten und Künstler Yadegar Asis mit Hilfe komplizierter Übertragungstechniken entwickelt und im stillgelegten Gasometer der Stadtwerke Leipzig mit einem Durchmesser von 55 Meter und über eine Höhe von 35 Meter aufgehängt. Das übergroße Everestpanorama hat in Folge mehr als 300.000 BesucherInnen angezogen, die in die schwindelerregende Illusion versetzt wurden, am Khumbu Eisfall zu stehen mit einem atemberaubende Blick in die zerklüftete Welt des Himalaya.
[3] Profanieren meint ursprünglich, dass das, was zuerst heilig und religiös und mithin dem allgemeinen Gebrauch entzogen war, wieder in die Verwendung und in den Besitz der Menschen gelangt (vgl. Agamben 2005). Berge, insbesondere so ein hoher wie der Mount Everest, sind immer auch, unabhängig davon, wie viele Menschen schon dort gewesen sind, Orte der Absonderung und bewahren als solche einen genuin religiöser Kern in sich, der einen, begibt man sich in diese abgesonderte Sphäre, zwangsläufig berührt. Absonderungen sind daher mit Erfahrungen der Selbstfremdheit und Angst durch Maßlosigkeit verbunden, der man sich nicht entziehen kann und womit ein Umgang gefunden werden muss (vgl. in historischer Perspektive dazu Böhme 1989). Etwas vom Übermaß, auf das unvermittelt dort trifft und etwas von der eigenen Maßlosigkeit, die einen bewogen hat, hinaus zu gehen, müsste diesen besonderen Orten bevor und nachdem man sie verlässt zurück erstattet werden, im Interesse der eigenen Sicherheit (vgl. Peskoller 2004)
[4] Angespielt wird hier auf ein Gehen, das im Unterschied zum virtuellen Leben keine leere Gegenwart erzwingt (vgl. Kamper 1998, 266), sondern Vorstellungen und Bilder, die im Kern Illusionen sind, zerreibt und stattdessen Körperpräsenz erzeugt (vgl. skeptisch dazu Kamper 1995, insbes. 113-148 und theoretisch Suthor/Fischer-Lichte 2006)
[5] Abschließend wie unvermeidlich ein Thomas Bernhard Zitat: „Wir können nicht sagen, wir denken, wie wir gehen, wie wir nicht sagen können, wir gehen, wie wir denken, weil wir nicht gehen können, wie wir denken, nicht denken, wie wir gehen“ (Bernhard 1971, 85)
[1] Ein Nachtrag: Urs Breitenstein wurde 1951 in Basel geboren, 1970/71 Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik an der Universität Basel, 1972-76 Schule für Gestaltung in Basel, Ausstellungen. Literatur: Frankfurter Kreuz. Tranformationen des Alltäglichen in der zeitgenössischen Kunst. Ausstellungskatalog Schirn Kunsthalle Frankfurt. Ostfildern-Ruit 2001
[2] In krassem Gegensatz dazu stand zeitgleich das mit 3000 Quadtratmetern weltweit größte 3600- Panorama vom Everest. Es wurde vom in Berlin lebenden Architekten und Künstler Yadegar Asis mit Hilfe komplizierter Übertragungstechniken entwickelt und im stillgelegten Gasometer der Stadtwerke Leipzig mit einem Durchmesser von 55 Meter und über eine Höhe von 35 Meter aufgehängt. Das übergroße Everestpanorama hat in Folge mehr als 300.000 BesucherInnen angezogen, die in die schwindelerregende Illusion versetzt wurden, am Khumbu Eisfall zu stehen mit einem atemberaubende Blick in die zerklüftete Welt des Himalaya.
[3] Profanieren meint ursprünglich, dass das, was zuerst heilig und religiös und mithin dem allgemeinen Gebrauch entzogen war, wieder in die Verwendung und in den Besitz der Menschen gelangt (vgl. Agamben 2005). Berge, insbesondere so ein hoher wie der Mount Everest, sind immer auch, unabhängig davon, wie viele Menschen schon dort gewesen sind, Orte der Absonderung und bewahren als solche einen genuin religiöser Kern in sich, der einen, begibt man sich in diese abgesonderte Sphäre, zwangsläufig berührt. Absonderungen sind daher mit Erfahrungen der Selbstfremdheit und Angst durch Maßlosigkeit verbunden, der man sich nicht entziehen kann und womit ein Umgang gefunden werden muss (vgl. in historischer Perspektive dazu Böhme 1989). Etwas vom Übermaß, auf das unvermittelt dort trifft und etwas von der eigenen Maßlosigkeit, die einen bewogen hat, hinaus zu gehen, müsste diesen besonderen Orten bevor und nachdem man sie verlässt zurück erstattet werden, im Interesse der eigenen Sicherheit (vgl. Peskoller 2004)
[4] Angespielt wird hier auf ein Gehen, das im Unterschied zum virtuellen Leben keine leere Gegenwart erzwingt (vgl. Kamper 1998, 266), sondern Vorstellungen und Bilder, die im Kern Illusionen sind, zerreibt und stattdessen Körperpräsenz erzeugt (vgl. skeptisch dazu Kamper 1995, insbes. 113-148 und theoretisch Suthor/Fischer-Lichte 2006)
[5] Abschließend wie unvermeidlich ein Thomas Bernhard Zitat: „Wir können nicht sagen, wir denken, wie wir gehen, wie wir nicht sagen können, wir gehen, wie wir denken, weil wir nicht gehen können, wie wir denken, nicht denken, wie wir gehen“ (Bernhard 1971, 85)
Literatur
- Agamben, Giorgio (2005): Profanierungen. edition suhrkamp: Frankfurt am Main.
- Alpenblick. Die zeitgenössische Kunst und das Alpine. trans alpin 2. Katalog zur Ausstellung vom 31. Oktober 1997 bis 1. Februar 1998 in der Kunsthalle Wien. Hgg. von Wolfgang Kos. Stroemfeld/Roter Stern: Frankfurt am Main 1997.
- Ansichten vom Berg. Der Wandel eines Motivs in der Druckgrafik von Dürer bis Heckel. Aus der Sammlung des Alpinen Museums des Deutschen Alpenvereins, München. Hgg. von Robert Stalla. Deutscher Kunstverlag: München, Berlin 2001.
- Bataille, George (1975), Das theoretische Werk. Band 1: Die Aufhebung der Ökonomie. Hgg. von Gerd Bergfleth. Rogner & Bernhard: München (Erstausgabe im franz. Original 1967).
- Bernhard, Thomas (1971): Gehen. Suhrkamp: Frankfurt am Main.
- Böhme, Hartmut (1989): Das Steinerne. Anmerkungen zur Theorie des Erhabenen aus dem Blick des „Menschenfremdesten“. In: Pries 1989, 119-141.
- Breitenstein, Urs (2000): Ohne Titel 2000. In: Der Berg 2002, 326.
- Coffey, Maria (2005): extrem. Glück und Gefahr des Bergsteigens. Piper: München (im Original: Where the Mountain Casts ist Shadow. The Dark Side of Extreme Adventure, 2003).
- Der Berg. Begleitpublikation zur Ausstellung Der Berg vom 20. Oktober 2002 bis 19. Januar 2003. Hgg. von Hans Gercke. Heidelberger Kunstverein. Kehrer Verlag: Heidelberg 2002.
- Die Schwerkraft der Berge. 1774 - 1997. trans alpin 1. Katalog zur Ausstellung im Aargauer Kunsthaus Aarau vom 15. Juni bis 24. August 1997 und der Kusnthalle Krems vom 7. September bis 23. November 1997. Hgg. von Stefan Kunz, Beat Wismer und Wolfgang Denk. Stroemfeld/Roter Stern: Frankfurt am Main 1997.
- Everest. 50 Yeras on the Mountain. Nepal. National Geographic Channel. DVD-Video, Farbe, 90 Min.
- Fröhlich, Volker/Stenger, Ursula (Hg.), Das Unsichtbare sichtbar machen. Bildungsprozesse und Subjektgenese durch Bilder und Geschichten. Juventa: Weinheim, München 2003.
- Giersch, Ulrich (1984): Der gemessene Schritt als Sinn des Körpers: Gehkünste und Kunstgänge. In: Kamper, Dietmar/Wulf, Christoph 1984, 261-275.
- Jullien, François (2006): Sein Leben nähren. Abseits vom Glück. Merve: Berlin.
- Kamper, Dietmar/Wulf, Christoph (Hg.): Das Schwinden der Sinne. edition suhrkamp: Frankfurt am Main 1984.
- Kamper, Dietmar (1995): Unmögliche Gegenwart. Zur Theorie der Phantasie. Fink: München.
- Kamper, Dietmar: „Ultra“. IN: Paragrana. Internat. Zeitschrift für Historische Anthropologie. Jenseits. Band 7 (1998), Heft 2, 266-277.
- Kamper, Dietmar (2001): Horizontwechsel. Fink: München.
- Krakauer, Jon (1998): In eisige Höhen. Das Drama am Mount Everest. Piper: München (im engl. Original 1997).
- Kropp, Göran (1998): Allein auf dem Everest. Meine dramatische Solo-Expedition auf den höchsten Berg der Welt. Goldmann: München.
- Landschaft. Die Spur des Sublimen. Katalog zur Ausstellung in der Kunsthalle zu Kiel vom 18.1. bis 1.3.1998. Hgg. von Hans-Werner Schmid und Ute Riese. Kerber Verlag: Bielefeld 1998.
- Messner, Reinhold (1981): Der gläserne Horizont. BLV: München.
- Messner, Reinhold (20022): Mallorys zweiter Tod. Das Everest-Rätsel und die Antwort. BLV: München (Erstausgabe 1999).
- Messner, Reinhold (2003): Mount Everest. Expedition zum Endpunkt. BLV: München.
- Norgay, Jamling Tenzing, Auf den Spuren meines Vaters. Die Sherpas und der Everest. W. Heyne Verlag: München 2003 (amerikan. Originalausgabe 2001)
- Peskoller, Helga, BergDenken. Eine Kulturgeschichte der Höhe. Eichbauer: Wien 19993 (Erstausgabe 1997).
- Peskoller, Helga (2000): 1 cm – Zur Grenze der Beweglichkeit. IN: Paragrana. Internationale Zeitschrift für Historische Anthropologie. Metaphern des Unmöglichen. Band 9 (2000), Heft 1, 107-116.
- Peskoller, Helga (2001): extrem. Böhlau: Wien, Köln, Weimar
- Peskoller, Helga (2002): 180o – Wendungen des Erhabenen. In: Schöne Aussicht/Bella Vista. 2002, 140-163.
- Peskoller, Helga (2003): Wand-Bild. In: Fröhlich/Stenger 2003, 141-155.
- Peskoller, Helga (2004): Abstieg und Rückkehr. Das Animalische religiöser Erfahrung als Blickgeschehen. In: Wulf/Macha/Liebau 2004, 370-381.
- Peskoller, Helga (2007): vermessen. In: Schuhmacher-Chilla/Wirxel 2007, 81-92.
- Peskoller, Helga, Wenn Berge Kulisse sind: Konkurrenz und Medien. In. AV-Jahrbuch Berg 2008, 30-41.
- Pries, Christine (Hg.): Das Erhabene. Zwischen Grenzerfahrung und Größenwahn. VCH, Acta Humaniora: Weinheim 1989.
- Schöne Aussicht./Bella Vista. Der Blick auf die Berge von Segantini bis Weinberger. Katalog zur Ausstellung vom 14. November 2002 bis 9. März 2003 in Meran. Folio: Bozen, Wien 2002.
- Schuhmacher-Chilla, Doris/Wirxel, Julia (Hg.), Maß oder Maßlosigkeit. Kunst und Kultur in der Gegenwart. Athena: Oberhausen 2007
- Suthor, Nicola/Fischer-Lichte, Erika (Hg.): Verklärte Körper. Ästhetiken der Transfiguration. Fink: München 2006.
- Sherpa, Ang Rita/ Höivik, Susan (Hg.), Triumph on Everest. A Tribute from the Sherpas of Nepal. Mandala Book Point: Kathmandu 2003.
- Von der Natur in der Kunst. Katalog zur Ausstellung vom 3. Mai bis 15. Juli 1990 im Wiener Messepalast. Hgg. von Peter Weiermair. Wiener Festwochen: Wien 1990.
- Wulf, Christoph/Macha, Hildegard/Liebau, Eckart (Hg.): Formen des Religiösen. Pädagogisch-anthropologische Annäherungen. Beltz Wissenschaft: Weinheim, Basel 2004.
