Mittwoch, 11. Juni 2008

die Künstlerin



Helga Peskoller

ihre Gastgeber
Bergasthaus Sulzfluh
http://www.sulzfluh.ch/
Käthi Meier und Ernst Flütsch,


Ein Abdruck von St. Antönien
ein Entwurf

Das Projekt fängt mit Gehen an. Im Gehen entsteht der Ort und seine Umgebung langsam. Der Maßstab des Gehens ist 1 : 1, weshalb die Dinge bleiben wie und wo sie sind, nur die Wege tragen sich ein, Schritt für Schritt auf den Fußsohlen.

Was Fußsohlen und Wege verbindet, ist der Abdruck. Er verhält sich wie ein Kuss. Man spürt ihn, er tönt und ist plastisch wie ein Relief, Bild oder Objekt. Zudem sind Abdrücke Archive, sie verwahren was ergangen wurde.

Jeder Abdruck setzt einen neuen Anfang, den Anfang von Erfahrung. Ursprünglich verstand man unter Erfahrung reisen, d.h. aufzubrechen und von einem Ort zum anderen zu ziehen, ohne sich irgendwo länger aufzuhalten. Und nur wer bewandert und somit geübt im Unterscheiden war, galt als erfahren.

Beim Wandern trifft man auf Menschen, Tiere, Pflanzen und Dinge. Sie erzählen auf ihre ganz besondere Weise und finden Gehör. Das Gehör schafft Durchgänge zum anderen. Sie gestalten sich aber wie die Bogengänge hinter dem Ohr, labyrinthisch. Daher erinnert Hören im Gehen das Paradies.

Niemand kann im Voraus wissen, was beim Gehen tatsächlich geschieht oder ausbleibt. Aus diesem Grund ist das Konzept des Projekts radikal offen angelegt. Bedeutung erlangt, was sich durch Gehen, Wandern und Steigen anbahnt und ereignet; alles andere ist auch gewesen, aber zieht rasch, wie spurlos vorbei.

Was bleibt, ist ein Abdruck von St. Antönien als Ausdruck einer umfassenden Kartographie, die sich dem Praxissinn des Gehens verdankt. In ihn sind die Körper und ihre Bewegungen immer schon hinein vermischt. Gehen spricht über eine soziale Wirklichkeit, die es mit erzeugt und einsortiert in eine besondere Ordnung des Wissens.

Deshalb ist das Projekt mehrfach verspannt wie z.B. in die Praktik des Gehens, in Formen des Vermittelns, der Kommunikation, Interaktion und des Schweigens, in die Topographie und Materialität des Ortes, in die Zeitlichkeit seiner Geschichte und erzählten Geschichten. Das trägt zur subjektiven Absicherung und zur Entsicherung bei.
Wie heißt es auf dem Prospekt: St. Antönien hinter dem Mond, links – und das klingt nicht nur ungefährlich.

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